Java | Yogyakarta

Nach 6 Stunden Zugfahrt kommen wir abends um 9 Uhr in Yogyakarta an. Unser Guide für die nächsten Tage, Adam, wartet am Bahnhof schon auf uns, begrüßt uns herzlich und bringt uns zu unserem Hotel „Ayaartta“. Müde vom Reisetag fallen wir ins Bett. Diesmal können wir das erste Mal länger schlafen, da das Programm zur Abwechslung erst um 9 beginnt – falsch gedacht, denn um 4:30 Uhr schallt es aus den Lautsprechern der Moscheen, es wird zum Gebet aufgerufen. Wir beten, dass die Gesänge schnell wieder aufhören und wir noch ein bisschen weiterschlafen können.

Nach einem leckeren Frühstück holt uns Adam ab und bringt uns zum Palast des Sultans, wo uns eine strahlende, nette Dame empfängt. Als sie erfährt, dass wir aus Deutschland sind, wechselt sie direkt auf Deutsch – sie hat eine Freundin aus Deutschland und hat sich die Sprache selbst beigebracht. Wir sind absolut begeistert! Mit viel Charme führt sie uns durch den Palast, zeigt uns die Palastwächter, die Heiligtümer des Sultans, das Tanztraining und erzählt uns lustige Geschichten, unter anderem vom Besuch Helmut Kohls. Zudem verrät sie uns, dass der jetzige, inzwischen 80-jährige Sultan im Vergleich zu seinen Vorfahren modern ist, nur eine Frau und fünf Töchter hat und sie hofft, dass die älteste Tochter die Nachfolge antritt – das wäre die erste Frau in Javas Geschichte. Wir bleiben gespannt …

Anschließend besichtigen wir die früheren Gärten, das Schwimmbad und das Wasserschloss des Sultans. Heute ist alles UNESCO-Welterbe und nicht mehr in Benutzung – ein neues wird in den nächsten Jahren gebaut.

Das nächste Highlight ist Prambanan, der zweitgrößte hinduistische Tempel der Welt nach Angkor Wat. Ein Guide führt uns durch die Anlage, die nach einem Erdbeben zerstört wurde und seit Jahren wie ein archäologisches Puzzle wieder aufgebaut wird – über 100 kleinere Tempel fehlen noch. Besonders beeindruckend sind die Gravuren in den Steinwänden, die eine Bildergeschichte über die Götter erzählen. Allein die Kurzfassung unseres Guides dauert etwa 15 Minuten. Wir sind fasziniert von dieser Art des Geschichtenerzählens und lernen dabei viel über den Glauben. Zum Abschluss erklärt er uns, dass das indonesische Wappen einen Stern trägt, der symbolisiert, dass alle Menschen an einen Gott glauben – trotz unterschiedlicher Religionen. Beeindruckend, wie harmonisch die verschiedenen Glaubensrichtungen hier zusammenleben.

Was als entspannter Kulturtag begann, endet völlig anders als erwartet. Adam holt uns mit den Worten „Ready for adventure?“ ab und bringt uns zum Fuß des Merapi-Vulkans. Dort steigen wir in einen Jeep und starten eine Offroad-Tour den Berg hinauf zum ersten Aussichtspunkt. Leider ist der Vulkan zunächst in Wolken gehüllt. Wir besichtigen einen Bunker, in dem beim Ausbruch 2006 zwei Menschen ums Leben kamen, als sie Schutz vor Lava suchten. Da der Bunker aus Metall bestand, wurde er zur tödlichen Hitzefalle. Bedrückt fahren wir weiter zum nächsten Stopp, wo der riesige Lavastein „Alien“ sowie skurrile 3D-Fotomotive – etwa ein Boot auf Lava – auf uns warten. Unser Guide erklärt uns, dass besonders chinesische Touristen solche Fotos lieben. Für uns wirkt das eher befremdlich. Danach besuchen wir ein kleines Museum mit Gegenständen aus einem Haus, die durch die Hitze des Vulkanausbruchs verbrannt wurden – bedrückend und irgendwie unheimlich.

Auf dem Weg zum nächsten Stopp haben wir plötzlich Glück: Die Wolkendecke reißt auf, und wir können den Vulkan sehen! Schnell machen wir ein paar Drohnenaufnahmen, doch plötzlich beginnt es heftig zu regnen. Innerhalb kürzester Zeit prasselt der Regen nur so auf uns und den offenen Jeep. Unser Guide rast los, besorgt Plastiktüten für unsere Technik und fährt dann wie ein Wilder durch überflutete Straßen. Wir denken, er will uns schnell ins Trockene bringen – falsch gedacht! Er steuert direkt auf einen Fluss zu, denn das ist die letzte Aktivität des Tages. Als wären wir nicht schon nass genug, bringen die Guides zunächst unsere Technik in Sicherheit. Dann springen wir wieder in den Jeep, sollen aufstehen – und fahren mitten durch den Fluss. Das Wasser spritzt uns nur so ins Gesicht, doch das macht uns nichts mehr aus – wir sind eh schon bis auf die Unterhose nass. Wir drehen insgesamt fünf Runden, Leslie schreit nonstop, Lars kann auch nicht glauben, wie ihm geschieht, dann kommt der Jeep zum Stehen. Noch ein Erinnerungsfoto, dann schnell ins Trockene!

Nachdem wir uns vom Adrenalinschock erholt und trockene Kleidung angezogen haben, bringt uns Adam in ein Restaurant. Dort probieren wir das traditionelle Gericht Yogyakartas: „Gudeg“ – acht Stunden lang gekochte Jackfruit mit Kokossoße und Reis. Es schmeckt wirklich lecker – und nach diesem verrückten Tag haben wir uns das definitiv verdient.


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