Auf dem Weg nach La Fortuna begleiteten uns strahlender Sonnenschein, spanische Musik aus dem Radio und das Gefühl von Freiheit auf der Straße. Die üppige Landschaft leuchtete im satten Grün, und alles schien perfekt für einen entspannten Roadtrip. Doch Costa Ricas Wetter hatte seine eigenen Regeln – von einer Sekunde auf die andere zog ein heftiger Regenschauer auf. Die Tropfen prasselten laut auf die Windschutzscheibe und verwandelten die sonnige Idylle in ein beeindruckendes Naturschauspiel.
Lars, der passionierte Kaffeeliebhaber, bestand darauf, den berühmten costa-ricanischen Kaffee zu probieren, und hielt während der Fahrt immer wieder Ausschau nach einem passenden Café. Schließlich entdeckten wir ein kleines Café mitten in der Natur, dessen Fassade mit einem großen, bunten Schmetterling bemalt war und das von zwitschernden, farbenfrohen Vögeln umgeben wurde – Pura Vida Atmosphäre. Lars genoss seinen köstlichen Kaffee, der ihm neue Energie für die weitere Fahrt verlieh.

Gut gestärkt setzten wir unsere Reise nach La Fortuna fort. Bei der Ankunft an unserer Unterkunft strahlte die Sonne, und von dort bot sich uns ein beeindruckender Blick auf den berühmten Vulkan El Arenal, den wir – normalerweise von Wolken verdeckt – fast bis zur Spitze erkennen konnten. Unser Host Christián, ein Italiener, der gemeinsam mit seiner kolumbianischen Frau nach Costa Rica ausgewandert war und hier ein kleines, gemütliches Haus mit ein paar Zimmern errichtet hatte, begrüßte uns herzlich.
Wir nutzten die sonnigen Stunden, um uns im Pool unserer Unterkunft zu erholen, bevor wir uns auf den Weg zu den kostenlosen heißen Quellen in der Nähe der Tabacon Hot Springs machten. Ein freundlicher Parkwächter in gelber Weste – ob er offiziell war, weiß keiner so genau – lotste uns zu einem Parkplatz. Wir zahlten ihm 3 Dollar und bahnten uns durch den Dschungel den Weg zu den Hot Springs. Da diese kostenlos waren, waren wir nicht die Einzigen, die die Idee hatten, dort zu baden – der Platz war vor allem nachmittags sehr beliebt. Dennoch fanden wir ein ruhiges Plätzchen in den natürlichen Thermen, um das warme Wassers zu genießen. Kurz darauf überraschte uns erneut ein heftiger Starkregen. Typisch deutsch hatten wir selbstverständlich Regenschirme dabei, sodass wir es zumindest halbwegs trocken ins Auto schafften.

Am Abend besuchten wir unsere erste Soda, die Soda Visquez. Eine costa-ricanische „Soda“ steht für ein kleines, oft familiengeführtes Lokal , in dem traditionelle, preiswerte Küche serviert wird. Typische Gerichte wie Gallopinto (eine Mischung aus Reis und Bohnen), Casado, Empanadas und weitere regionale Spezialitäten finden sich hier. So bestellte Leslie einen gebratenen Reis mit Bohnen, während Lars das landestypische Casado mit Fisch wählte – und wir waren bereits am ersten Abend von der Vielfalt und dem Geschmack der costa-ricanischen Küche begeistert.
Am nächsten Morgen erwartete uns ein vom Nebel verhüllter Vulkan, und es schüttete wie aus Eimern. Da uns der Jetlag noch zu schaffen machte und wir beide nachts eine Stunde wach lagen, beschlossen wir, es an diesem Tag entspannt angehen zu lassen und gingen gemütlich frühstücken.

Nachmittags stand eine Kakaotour bei Eden Chocolate Tours auf dem Programm – und zum Glück hatte der Regen bis dahin aufgehört. Unsere gut gelaunte Guide Yari führte uns schmunzelnd durch die Kakaoplantage und vermittelte uns alle wichtigen Informationen zum Kakaoanbau: von den unterschiedlichen Bohnenfarben über die Ernte, Fermentierung und Trocknung bis hin zur fertigen Schokolade in der Verpackung. Aus einem Kakaobaum, der etwa 60 Früchte trägt, entsteht gerade einmal ein Kilo Schokolade. Aufgrund des vielen Regens in der Trockenzeit fiel die Kakaoernte in dieser Saison etwas schwächer aus, weshalb die Schokolade teurer wurde. Nach diesem kleinen Crashkurs durften wir selbst Hand anlegen, die getrockneten Kakaobohnen mahlen und durch Zugabe von Zucker und Chili die traditionelle Trinkschokolade herstellen – so, wie sie von den indigenen Völkern in spirituellen Zeremonien als scharfes Heißgetränk genutzt wurde, um eine Verbindung zur Natur zu finden. Yari begleitete uns dabei mit Trommelschlägen, sang amüsante Schokoladenlieder und forderte uns zum Tanz auf – „Uh la la, Chocolat!“
Am folgenden Morgen setzte, wie es so typisch war, wieder Regen ein. Wir beschlossen, den La Fortuna Wasserfall zu besuchen, in der Hoffnung, bei dem Regenschauer wenigstens einen mächtigen Wasserfall zu erleben. Nach 600 Stufen erreichten wir den idyllischen Wasserfall, der wie erwartet reichlich Wasser führte. Wir machten Fotos, genossen die wunderschöne Natur, und bis wir die 600 Stufen wieder oben waren, schien sogar die Sonne. Um die Sonnenstunden zu nutzen, fuhren wir anschließend zu „El Salto Rope Swing“, einer kleinen Badestelle im Fluss, an der man sich mit einer Seilschaukel ins Wasser schwingen konnte. Dort verbrachten wir den Nachmittag abwechselnd mit Baden, Schaukeln und Sonnen. Auf dem Rückweg zur Unterkunft hielten wir an, als eine Touristengruppe mit Fernglas in einen Baum blickte – und siehe da, dort entdeckten wir unser erstes Faultier in Costa Rica! Den erfolgreichen Tag ließen wir schließlich mit einem leckeren Casado und einem erfrischenden Guanábana-Smoothie ausklingen.
Am letzten Morgen in La Fortuna unternahmen wir eine Dschungeltour durch das Naturreservat „Mirador El Silencio“, von dem aus sich ein schöner Blick auf den Vulkan bot – heute war er zumindest teilweise sichtbar. Um weitere Tiere zu beobachten, schlichen wir so leise wie möglich und mit gespannter Erwartung durch den Dschungel. Und tatsächlich: Kurz nach dem ersten Aussichtspunkt raschelte es im Wald – und plötzlich überquerte direkt vor uns eine Nasenbärfamilie den Pfad – wir staunten nicht schlecht! Zudem entdeckten wir einige beeindruckende, große Vögel in den Bäumen. Am Vulkan wanderten wir über ausgetrocknete Lava, vorbei an einem grünen See, bevor wir uns wieder auf den Rückweg zum Auto machten. Gestärkt mit leckeren Empanadas traten wir schließlich den Weg zu unserem nächsten Ziel, Monteverde, an.