Als wir ins Navi Monteverde eintippten, bekamen wir einen kurzen Schreck: satte 3 Stunden für 100 Kilometer! Das konnte nur an den sehr schlechten Straßenbedingungen liegen, vor denen uns zahlreiche Blogs und der Reiseführer gewarnt hatten. Laute spanische Musik an, Augen zu und durch! Doch wider Erwarten waren die ersten zwei Stunden des Weges sehr entspannt und führten uns um den malerischen Arenal See herum, keine Spur von Schlaglöchern und Geröll. Doch als wir uns Monteverde näherten, bewahrheitete sich die Vermutung, und die Straßen wurden immer schlechter. Mit höchstens 30 km/h tuckerten wir über die holprige Straße – dankten 1000 Mal dem Universum, dass wir eine Unterboden- und Reifenversicherung hatten – und rumpelten eine Stunde lang bergauf, bergab, über Schlaglöcher, so groß, wie wir sie noch nie zuvor gesehen hatten. Durchgeschüttelt vom wilden Ritt kamen wir in Monteverde bei strahlendem Sonnenschein an unserer Unterkunft an.
Dort begrüßte uns unser netter AirBnB Host Harry, informierte uns über sein eigenes Projekt zur Erhaltung des Regenwaldes und die Highlights der Region und führte uns dann zu unserer Unterkunft für die nächsten Tage, die zu traumhaft war, um wahr zu sein: der sogenannte Eco Dome stand mitten in der Natur mit einer beeindruckenden Aussicht auf die umliegenden Berge. Direkt aus dem Bett heraus konnte man über den Nebelwald Monteverdes blicken! Wir spürten eine tiefe Dankbarkeit, an diesem wunderschönen Ort übernachten zu können, und waren so begeistert, dass Lars den Moment direkt mit der Drohne einfangen wollte. Danach machten wir uns einen lokalen Kaffee direkt von der Kaffeeplantage in Monteverde, den Harry uns in die Küche gestellt hatte, und genossen die wunderschöne Aussicht.



Am frühen Abend gingen wir in die Soda „“
essen, um uns für die bevorstehende Nachtwanderung zu stärken. Eine Stunde später trafen wir uns auch schon mit unserem Guide Pepo und den anderen Gruppenmitgliedern, um bei einer Nachttour die Tiere des Monteverde Cloud Forest zu erleben. Ausgestattet mit einem überdimensionalen Fernglas und Taschenlampen folgten wir Pepo in den Dschungel – wir sollten alle dicht hinter ihm bleiben und den Pfad nicht verlassen, da nachts vor allem Schlangen aktiv waren. Nach wenigen Augenblicken entdeckten wir unser erstes Tier: ein schlafender Tukan, der es sich auf einem Ast gemütlich gemacht hatte. Bald schon folgten weitere Tiere, wir sahen einen Kolibri, eine Tarantel, einen Skorpion und eine Green Viper. Wie Pepo erklärte, hätten wir bei einem Schlangenbiss noch drei Stunden Zeit für Gegengift, und das nächste Krankenhaus befand sich eineinhalb Stunden entfernt – das war ja motivierend! Noch vorsichtiger folgten wir Pepo durch den Nebelwald, als er plötzlich einen Anruf bekam und wir ihm schnell folgen sollten. Hoch oben im Baum befand sich ein Faultier mit einem Baby – das absolute Highlight der Tour!
Die vielen Tiersichtungen der letzten Nacht motivierten uns am nächsten Morgen, mit einer ganz besonderen Mission unsere Wanderung im Curi Cancha Reservat zu starten: wir wollten den seltenen, grün-rot leuchtenden Vogel „Quetzal“ sehen, den man fast nur in Monteverde beobachten kann. Auf Pepos Hinweis hin nahmen wir die zweite Abzweigung nach links auf die „“ und suchten einen großen, freistehenden Baum. Schon aus der Ferne erkannten wir die Tourgruppen mit Ferngläsern auf den Baum starren. Als wir dort ankamen, zeigte uns ein freundlicher Mann, wie wir den Vogel erkennen konnten. Und tatsächlich, zwischen den Ästen erblickten wir den schimmernden Göttervogel – Mission erfüllt!
Nach weiteren zwei Stunden Wanderung hielten wir im Café Kiwi für eine kleine Kaffeepause. Dort konnten wir zahlreiche, verschiedenfarbige Kiwis beobachten, die um uns herum flatterten, während wir uns für den Nachmittag mit Kaffee und Kuchen stärkten. Nach ein paar Minuten mussten wir uns jedoch in das Café hineinsetzen, da die Angst zu groß war, von einem Nasenbär attackiert zu werden, der dauerhaft um uns herumschlich und den Kuchen scheinbar genauso attraktiv fand wie wir.
Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Extremo Park, wo wir eine Zipline Tour durch den Regenwald gebucht hatten. Doch drei Minuten, bevor wir am besagten Ort ankamen, stand ein Schild mit dem Hinweis: „Gefahr. Diese Straße nicht fahren.“ Unser Freund und Helfer Google Maps verriet uns, dass die Alternativroute uns 30 Minuten kosten würde. Zum Glück hatten wir etwas Puffer eingeplant, und hatten noch 20 Minuten Zeit. Doch der Weg war alles andere als einfach, in Deutschland wäre sicherlich auch bei der Alternativroute ein Gefahrenschild gestanden. Bergauf, bergab, Schlaglöcher hier, Schotterstraße da, dann mussten wir einen Fluss überqueren und freuten uns mal wieder, dass wir uns für ein Allradfahrzeug entschieden hatten – doch wir hatten keine Zeit zu verlieren. Mit Ach und Krach kamen wir fünf Minuten zu spät beim Extremo Park an, und hatten unsere Adrenalin Dosis für diesen Tag eigentlich schon ausgeschöpft.
Schnell beeilten wir uns, die Klettergürtel anzulegen, Helm auf, los ging es. Doch was wir uns als entspanntes Hin- und Her-Schweben zwischen den Bäumen des Nebelwaldes vorgestellt hatten, entpuppte sich als der reinste Adrenalinkick: wir rasten 200 Meter über dem Tal zwischen den Bergen hin und her, mussten immer wieder einige Höhenmeter zu Fuß zurücklegen, um dann wieder aus einer schwindelerregenden Höhe in die Zipline zu starten – Abenteuer pur! Doch als ob dies noch nicht genug Adrenalin für diesen Tag gewesen wäre, fragte uns der Guide: „You want to try the Tarzan Swing?“ Da klingelte es, wir hatten zwar in der Beschreibung der Tour etwas von Tarzan gelesen, konnten uns aber nicht wirklich etwas darunter vorstellen und machten uns nicht weiter Gedanken. Dafür war jetzt auch keine Zeit, denn zwei Minuten später hingen wir in der Luft und rasten auf einer riesigen Schaukel 25 Meter im freien Fall Richtung Boden. Leslie schrie so laut, dass vermutlich alle Tiere des ganzen Nebelwaldes zusammenzuckten. Doch die Tour wurde noch verrückter: bei der nächsten Zipline wurden wir am Rücken befestigt und rasten 1,5 Kilometer über das Tal – das Ganze nannte unser Guide dann „Superman“. Immerhin fühlten wir uns danach auch so.
Abends erholten wir uns von unserem Adrenalin-Tag im mexikanischen Restaurant „“, in dem wir uns mit zwei deutschen Mädchen, die wir beim Ziplining kennengelernt hatten, trafen. Bei Tacos und Burritos tauschten wir uns über bisherige Reiseerfahrungen aus und gaben uns gegenseitig Reisetipps.
An unserem letzten Morgen in Monteverde besuchten wir die Kaffeeplantage „Café Monteverde“, wo uns gezeigt wurde, wie Kaffee angepflanzt, geerntet, geröstet und schließlich zu fertigen Kaffeebohnen verarbeitet wird. Wir durften selbst Bohnen von einer Kaffeepflanze ernten und diese dann verarbeiten. Die unterschiedlichen Röstungen testeten wir am Ende bei einer Kaffeeverkostung, bei dem uns auch der traditionelle Filter, mit dem in Costa Rica Kaffee zubereitet wird, demonstriert wurde. Für uns war es sehr spannend, zu realisieren, welche Reise eine einzelne Kaffeesbohne durchläuft, bis sie in einer Tasse landet, und wie viel Arbeit tatsächlich dahintersteckt. Pro Kaffeetasse braucht man bis zu 90 Bohnen, spricht 30-50 Früchte. Die Kaffeepflücker sind meistens Gastarbeiter aus Nicaragua, die pro vollen Korb ca. $7 verdienen. Der monatliche Durchschnittslohn von ca. $2000 ist für die Gastarbeiter allerdings gutes Geld. Der costaricanische Kaffee der Plantage kann durch die Ernte per Hand nicht mit den maschinellen Produktionen mithalten, besticht jedoch durch seine hohe Qualität – ist also sozusagen eher eine Delikatesse in der Kaffeewelt.
Mit diesen interessanten Eindrücken und einem Koffeinkick für die gesamte nächste Woche fuhren wir zu unserer Unterkunft, holten unser Gepäck ab und verabschiedeten uns von Harry. Mit Vorfreude auf unser nächstes Reiseziel ließen wir den Nebelwald Monteverdes hinter uns und steuerten über die alt bekannten Schlaglöcher Richtung Küste.

