„Pura vida“ – zwei Worte, die man in Costa Rica ständig hört und die das Lebensgefühl des Landes perfekt beschreiben. Wörtlich bedeutet es „pures Leben“, doch für die Ticos ist es weit mehr als das. Es steht für Gelassenheit, Dankbarkeit und die Kunst, die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen. Egal ob als Begrüßung, Abschied oder als Antwort auf die Frage, wie es einem geht – „pura vida“ ist eine Lebenseinstellung, die man in dem Land überall spürt.

Mit diesem Motto starteten wenn wir in unsere nächste Reise – dieses Mal ins tropische Costa Rica, bevor es weiter nach Argentinien ging. Leslie hatte in Buenos Aires ihr dreimonatiges Praktikum am Colegio Pestalozzi vor sich, während Lars … nun ja, das blieb offen für Interpretationen. Irgendwas zwischen Jonglieren und Finanzen – oder vielleicht beides gleichzeitig?
Anders als sonst konnten wir diesmal nicht mit unseren geliebten Backpacks und nach dem Motto „Leichtes Gepäck“ reisen. Vier Monate unterwegs, zwei völlig unterschiedliche Klimazonen – das stellte uns vor eine echte Herausforderung. In Costa Rica erwartete uns tropische Hitze, während in Argentinien Herbst und Winter auf dem Programm standen. Also hieß es: Packen für alle Jahreszeiten!
Das Ergebnis? Zwei riesige Koffer voller Herbst- und Winterklamotten für Argentinien – und ein einziger Handgepäckkoffer für dreieinhalb Wochen Costa Rica. Für Leslie, die schon bei einem Wochenendtrip an Übergepäck scheiterte, eine fast unlösbare Aufgabe! Stundenlang wurde gerollt, gefaltet, neu sortiert und verzweifelt aussortiert. Jedes Teil wurde kritisch beäugt: Braucht man wirklich so viele T-Shirts und Tops, wenn man sowieso den halben Tag in Badesachen verbringt? Und lässt sich ein dicker Wintermantel wirklich mit gutem Gewissen zwischen Flip-Flops und Sonnenhut quetschen? Am Ende passte alles irgendwie – ob wir die richtige Wahl getroffen hatten, sollte sich erst unterwegs zeigen …
Der Abschied von Freunden und Familie fiel jedes Mal schwerer – die Tränen und der Schmerz nahmen zu, je öfter wir uns verabschiedeten. Doch der Reiz des Abenteuers zog uns immer wieder hinaus in die Welt. Mit gemischten Gefühlen machten wir uns auf den Weg nach Frankfurt.
Nach einem 12-stündigen Flug sollten wir San José, die Hauptstadt Costa Ricas, erreichen. Ausgestattet mit einer schicken Lama-Schlafmaske waren wir bestens vorbereitet für unser Reiseziel in Lateinamerika. Den Flug verbrachten wir mit Essen, Schlafen und Filmeschauen. Trotz Gegenwind und einer kleinen Verspätung landeten wir schließlich um 19 Uhr in San José. Die Einreise zog sich so lange hin, dass unsere Koffer schon geduldig neben dem Gepäckband auf uns warteten.
Vor dem Flughafen suchten wir ein Taxi – die orangefarbenen Wagen sollten die offiziellen sein. Wir wurden freundlich begrüßt und von einem Mann direkt zu einem Taxi begleitet, nachdem er uns versichert hatte, dass das Fahrzeug ein Taxameter besaß und Kartenzahlung möglich sei. Das Taxi schimmerte in der Dunkelheit rötlich; dennoch stiegen wir ein – und stellten bald fest, dass kein Taxameter vorhanden war und, wie der Taxifahrer erklärte, das Kartengerät defekt sei. Zu diesem Zeitpunkt befanden wir uns bereits mitten auf der Autobahn. Er wollte uns zu einem Geldautomaten fahren, was uns ein wenig beunruhigte. Letztlich gelang es jedoch: Während Leslie sich mit dem Taxifahrer über die einheimische Küche in Costa Rica unterhielt, hob Lars unsere ersten Colones ab. Nach weiteren zehn Minuten Fahrt erreichten wir schließlich unser Hotel, und der Taxifahrer forderte für die 15-minütige Fahrt „80.000 Colones, por favor.“ Zum Glück hatte Lars über das Flughafen-WLAN den Wechselkurs geprüft; uns war bewusst, dass umgerechnet 160 Euro selbst im teuren Reiseland Costa Rica unrealistisch waren – dieser Trick schien sowohl in Asien als auch in Lateinamerika zu funktionieren. Da Leslie im Reiseführer gelesen hatte, dass die Fahrt etwa 20 Dollar kosten sollte, gaben wir dem eigentlich freundlichen Taxifahrer 10.000 Colones und verabschiedeten uns. Im Hotel checkten wir zügig ein und fielen hundemüde ins Bett – durch die siebenstündige Zeitverschiebung war es gefühlt schon vier Uhr nachts.
Gut ausgeschlafen machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg zur Autovermietung. Bereits im Shuttle spürten wir, dass wir in Lateinamerika angekommen waren: Die Menschen fuhren mit geöffnetem Fenster, grüßten sich freundlich, kannten sich scheinbar alle und unterhielten sich von Auto zu Auto, während wir im Stau standen. Eine Stunde später saßen wir in unserem Mietwagen und wollten unsere Fahrt Richtung Norden starten – doch nachdem wir nach dem Tanken um die erste Ecke gebogen waren, zeigte unser Auto eine Warnmeldung an: der hintere rechte Reifen verlor wohl schon nach den ersten drei Minuten Fahrt an Luft! Uns blieb nichts anderes übrig, als zur Autovermietung zurückzukehren. Doch als die Mitarbeiter dort nur lässig mit den Schultern zuckten und meinten, wir könnten es mal irgendwo auf dem Weg in einer Werkstatt checken lassen, beschlossen wir, uns ab sofort an den entspannten Lebensstil der Costaricaner anzupassen und einfach mal zu schauen, was passierte. Nachdem wir uns im Supermarkt mit Empanadas und einer SIM-Karte eingedeckt hatten, konnte unsere dreieinhalbwöchige Spritztour durch Costa Rica beginnen. Pura vida!