Ganze sechs Stunden fahren wir zu unserem nächsten Ziel – perfekt, um unterwegs ein bisschen Schlaf nachzuholen. Auf der Straße herrscht ein ungewöhnliches Treiben: Menschen betteln, klopfen rhythmisch auf ihre Eimer und tragen auffällige, teils skurrile Verkleidungen. Wir fahren vorbei an beeindruckender Berglandschaft bis hin zum Vulkan Semeru, der 2021 heftig ausgebrochen ist und das darunterliegende Dorf zerstört hat. Noch heute sehen wir zerstörte Häuser und große Erdmassen – ein bedrückender Anblick.
Am Nachmittag erreichen wir unsere Unterkunft, das „Artha Cottage“ in Gunungsriti. Hungrig von der langen Fahrt essen wir im Hotel Mie Goreng. Da Leslies erstes Gericht mit Hühnchen kommt, bestellen wir kurzerhand noch ein zweites – sehr zur Freude von Lars, der natürlich auch die zweite Portion gerne übernimmt. Danach machen wir einen Spaziergang durch das Dorf, vorbei an Snake-Fruit-Plantagen. Gesänge aus der Moschee mischen sich mit dem Brummen der Mopeds. Viele Menschen fahren an uns vorbei, mustern uns neugierig wie Außerirdische, lächeln dabei aber freundlich und winken uns zu. Wieder einmal sind wir die einzigen Touristen – und fühlen uns selbst ein bisschen wie Fremde von einem anderen Planeten. Schon um 21 Uhr gehen wir schlafen. Wir müssen unseren Rhythmus anpassen, denn auch das nächste Highlight wartet früh am Morgen auf uns.
Um 5:30 Uhr holt uns Ari am Hotel ab und wir machen uns auf den Weg zum Tumpak Sewu Wasserfall. Dort angekommen, sprühen wir uns mit einer großen Portion Mückenspray ein – das schützt nicht nur vor Stechmücken, sondern auch vor Blutegeln, die sich hier in den Pflanzen verstecken. Los geht’s! Schon nach wenigen Minuten eröffnet sich uns ein spektakuläres Dschungelpanorama mit direktem Blick auf den Wasserfall. Leslie macht – wie immer – gefühlt hunderttausend Fotos, während Lars mit der Drohne den Wasserfall von oben erkundet. Plötzlich ruft Ari: „You see, the volcano is erupting!“ Und tatsächlich: Aus der Spitze des Semeru steigt eine große Rauchwolke in den Himmel. Kein Grund zur Sorge – morgens stößt der Vulkan in kurzen Abständen regelmäßig kleinere Eruptionen aus.
Nun steigen wir über eine steile, aus Leslies Sicht eher wenig vertrauenswürdige Treppe hinunter zum Wasserfall. Unsere Füße bleiben dabei nicht lange trocken, denn schon auf dem Weg kreuzen mehrere kleine Wasserfälle unseren Pfad. Nach einigen Flussüberquerungen stehen wir schließlich vor dem tosenden Wasserfall: unzählige einzelne Wasserströme stürzen gleichzeitig in die Tiefe und formen ein beeindruckendes, fast kreisförmiges Wasserpanorama. Ari macht wieder professionelle Fotos von uns – er kennt genau die besten Spots, um uns und die gewaltige Kulisse perfekt einzufangen. Da wir alles geben, sind wir danach natürlich komplett durchnässt.
Gerade als wir denken, wir seien auf dem Rückweg, verrät uns Ari, dass es hier noch viel mehr zu entdecken gibt. Er führt uns zu versteckteren Wasserfällen, unter denen wir sogar „duschen“ können, während wir die üppige Pflanzenwelt bestaunen. Diesmal gibt es keine Treppen – wir kämpfen uns direkt durch das Wasser weiter, bis wir eine versteckte Tropfsteinhöhle im Berg erreichen. Ari hilft uns, entlang des Wasserfalls sicher in die Höhle zu gelangen. Unsere Kleidung ist inzwischen völlig durchnässt. Drinnen stehen wir knietief im Wasser. Ari erzählt uns von kleinen Fischen, die hier leben und manchmal an den Füßen knabbern – sie entfernen dabei abgestorbene Haut. Wir erkunden das Innere der Höhle zwischen Stalaktiten und Stalakmiten, bevor wir uns schließlich auf den Rückweg machen. Tropfnass steigen wir wieder ins Auto. Zurück im Hotel trocknen wir uns erst einmal und gehen dann frühstücken – es ist gerade einmal 9 Uhr. Kaum zu glauben, was wir heute schon alles erlebt haben.




























